Sonntag, 5. April 2015

BLEAU Part I


Am Ostersamstag kletterten wir im Sektor "L'Éléphant". Die Begrüssung am Vorabend war feucht gewesen und am Samstagmorgen fielen immer noch Regentropfen. Gegen Abend stoppte der Niederschlag und die Felsen trockneten. Erst später haben wir gelesen, dass im "L'Éléphant" der Sandstein besonders weich ist und dieses Gebiet nach Regen gemieden werden sollte. Der Fels ist besonders brüchig, ist er nicht komplett trocken. Der erste Boulder unseres Trips war Le Surplomb du Loup (Bild unten), ein grosser Überhang mit riesigen Henkeln. Obwohl die Griffe im Überhang abgetrocknet waren, fühlte sich die flechtenbewachsene Felsoberfläche oben auf dem Block wie Schmierseife an. Louis und ich wählten den Abstieg auf der Rückseite mit einem grossen Sprung hinunter auf die Matten.

Nach vielen schönen einfacheren Linien fanden wir einen kleinen Überhang mit Fingerlöchern. Beim ersten Zug gilt es von einem Zweifingerloch aus ein anderes Zweifingerloch zu treffen. Manu und ich konnten La Barre Fixe mit dieser Lösung schnell klettern. Ishan probierte vom Start direkt die guten Griffe anzusteuern und holte sich so eine Begehung. Nach diesem ersten genialen kleinen Boulder freuten wir uns auf den nächsten Tag, wenn alles trocken sein würde...

Am Ostersonntag standen die "Franchard"-Sektoren auf dem Programm. Wunderschön ist mir der Hügelzug in Erinnerung geblieben. Bei meinem ersten Besuch in Bleau vor zwei Jahren spazierten wir am letzten Tag vor der Abreise hier durch ohne noch gross zu klettern. Einer der Boulder auf meiner Liste, die ich unbedingt versuchen wollte, hiess Rainbow Rocket (Bild oben). Ohne genau zu wissen, wo sich die "Mur des Carriers" befindet, machten wir uns auf die Suche. Als wir ratlos bei einer Kreuzung standen, trafen wir zum Glück eine andere Gruppe, die uns auf den richtigen Weg lotste. So baute sich plötzlich die eindrückliche Mauer vor uns auf. Ein Schwede, der schon sehr knapp unter die Kante sprang, liess uns mitprobieren. In den ersten Versuchen lernte ich, dass Rainbow Rocket komplexer ist als viele andere Dynos. Sonst genügt es oft, wenn man nur den Willen hat voll abzudrücken, auch wenn sich die Position scheinbar nicht dafür eignet. Rainbow Rocket ist kein kräftiger Dyno, mehr ein reines Bewegungsproblem - wahrscheinlich einer der wenigen Boulder dieser Schwierigkeit, die auch zum Beispiel von einem Parkourathleten ohne kletterspezifische Fingerkraft begangen werden könnten.


Die Kante kam bei jedem Versuch ein bisschen näher, doch ich verstand die Bewegung nicht richtig. Wenn ich mich darauf konzentrierte, voll abzudrücken, litt die Koordination stark darunter. Dani und Ishan konnten sich nicht richtig für den Block begeistern, nur Manu probierte Voltex (Bild oben / Video). Die anderen zog es in Richtung Cuisinière und ich fühlte mich ein wenig gestresst, da ich diesen Dyno unbedingt machen wollte. Plötzlich konnte ich die verbliebenen fünf Zentimeter doch noch überwinden und blieb an der Kante hängen. Ich freute mich riesig, mit Rainbow Rocket (Video) einen meiner Traumboulder klettern zu können. Manu knipste als bekennender Anti-Dynamiker mit Voltex einen seiner härtesten Dynos locker weg.

Den zweiten Teil des Nachmittags haben wir in der "Franchard Cuisinière" verbracht und viele einfachere Klassiker geklettert. Den Mantle von Pas Cool (Bild oben) konnte ich gleich durchwürgen, die linke Variante Paye ton Café fiel uns ein wenig schwerer. Irgendwo in meinen Erinnerungen schwebte mir ein Bild eines Dynos vor und nach einer kleinen Suche fanden wir La Déferlante (Video). Kaum hatten wir die Matten hingelegt, war Basil schon ausgestiegen. Ishan und ich brauchten noch einige Versuche, bis wir ohne Dab ausschwingen konnten. In Contorsion Égocentrique fand  Basil eine sehr interessante Lösung: erster Zug mit rechts in den Seituntergriff, dann hoch. Mittlerweile war es schon praktisch dunkel. Nach einigen einfacheren Problemen genossen wir das Abendessen im Gebiet, danke fürs Kochen!

Sonntag, 29. März 2015

101 Day

Nach der gestrigen Abendsession wachten wir heute morgen schon wieder in der Hitze auf. Als wäre das nicht schon genug, versuchte eine fremde Frau einen unserer Gruppe in ihr Fahrzeug zu locken. So verloren wir Damien. Sie fuhren in Richtung Süden davon. Unser dezimiertes Team brach schliesslich zum langen Marsch auf. Im Schatten der Felsen gönnten wir uns eine Rast und erholten uns von den Strapazen. Manu nutzte den schwachen Wind, der aufkam, und holte sich die langsamste Begehung von The Arete with a Pocket. Giani setzte sich seine Abfolge zusammen und kletterte bald schon ziemlich weit, als der Block zum Magnet aller Kletterer der Region wurde. Wir zogen weiter zu Tricky, einem speziellen Dach, aus dem man sich mit den Füssen voran rettet. Mir bereitete der Start am meisten Mühe, da die übliche Fersenklemmerlösung im linken Knie schmerzte.

Die Stelle klappte glücklicherweise mit einer anderen Lösung und die Begehung von Tricky (Bild oben) gelang doch noch. Giani verzichtete für uns auf weitere Versuche in der Arete und fuhr uns zum Bahnhof. Danke! Dafür zupfte er den Boulder später noch weg...

Samstag, 28. März 2015

Chironico Nightsession

Der Frühling zieht langsam ins Tessin und während dem Tag war es für unseren Geschmack viel zu warm, um zu bouldern. Gegen Abend begann es plötzlich stark zu winden. Dank unserem Sonnenschein Christina war es genug hell, um die besseren Bedingungen zu nutzen und den namenlosen Leistenboulder rechts von Soilwork zu versuchen. Guntram Jörg hat dazu noch einen Low-Start geklettert, den er "The Counselor" taufte. Der normale Sitzstart ist schon für sich logisch. Nach einigen Versuchen konnten wir alle The Counselor High Start klettern. Der dramatische Höhepunkt des Abends war Damiens Durchstieg mit bluttriefenden Fingern. Der kleingriffige Start ergibt zusammen mit dem hohen aber einfachen Ausstieg einen lohnenden Boulder. Den tiefen Start haben wir gar nicht probiert, doch nächste Saison werden wir zu diesem Block zurückkehren.

Danke an Christina Maria Magdalena für die Fotos!


Sonntag, 15. März 2015

Feldbrunnen


Schon seit längerer Zeit wollte ich die Felsblöcke in den Wäldern von Solothurn besuchen. Noch nie war in dieser Gegend der Schweiz am klettern, bisher zog es mich immer in die Alpen. Nachdem das Wetter meine Pläne für die Felsen im Süden des Gotthards zunichte machte, fragte ich Jano, ob er zufälligerweise in seinem Hausgebiet unterwegs wäre. Das Glück war auf meiner Seite. Zusammen mit Jasmin und zwei Kollegen wollte er genau heute wiedermal nach Feldbrunnen...
So konnte ich heute wie in guten alten Zeiten auf die präzisen Lösungen von Jano zählen. Das Wetter spielte perfekt mit. Sonnig und trotzdem kühl und windig. Der grobkörnige Granit beansprucht die Haut, darum sind zu hohe Temperaturen nicht mehr angenehm. Abgesehen von der Rauheit des Felses erinnerten mich auch die technischen und gleichwohl kräftigen Boulder an Cresciano. Kleine Noppen, die erst gefunden werden müssen, sind oft die entscheidenden Tritte. Wir begannen den Tag beim Traversenblock, der zahlreiche schöne Klassiker bereithält. Nach einigen schönen Problemen wie Evolution, Liischtetanz oder der Abschusskante wollte ich Jano's Testpiece Good Old Times probieren. Auf kurzer Distanz werden verschiedene Fähigkeiten gefordert. Der tiefe Sitzstart ist fingerkräftig an kleinen, scharfen Leisten, der mittlere Teil braucht Spannung und der Mantle ist genial. Beim Startzug war ich zu Beginn ein wenig zögerlich, da ich mein linkes Knie nicht überlasten wollte. Jedoch fand ich eine gute Position für den ersten Move und konnte mich wacklig über den Mantle auf den Block retten.

Nächste Station war die bekannte Hohe Kante (Bild oben), die ich schon von Bildern her kannte. Die Linie ist genial. Die Griffe und die Tritte sind rar, aber Jano kennt sich zum Glück aus. Die Züge stehen der Linie in nichts nach, das Problem wäre in jedem Gebiet ein Klassiker. Die Direkte Hohe Kante lässt oben die grosse Schuppe links, das sogenannte "Ohr", links liegen und hängt dem schwierigen Start einige unsichere Züge an. Im ersten Versuch in der Hardcore Kante pumpte es mich an den nicht ganz sauberen Griffen zu. Einige Minuten später klappte es dann. Der letzte Boulder des Tages hiess Plaisir Extrem. Vor der Heimfahrt hatte Jasmin schon ein feines Abendessen gekocht. Merci euch beiden für den schönen Tag!