Sonntag, 21. Juni 2015

Muttertag - Magic Wood

"Muttertag" lautet der Name eines Stücks Fels im Magic Wood. Diverse Aspekte des Boulderns sind in diesem Problem zusammengefasst. Ein dynamischer Zug, der Ausdauerfaktor spielt keine Rolle. Die Griffe sind auf den ersten Blick ziemlich gross und trotzdem auf ihre Art schlecht. Die Schwierigkeit liegt nicht in der Distanz, sondern in der Koordination und dem Timing. Den Boulder hatte ich schon früher probiert. Zu Beginn bereitete es mir schon Mühe, überhaupt den Boden zu verlassen. Ich erreichte schlussendlich zwar die gute Leiste, hatte aber keine Chance, sie zu halten.

Nun stand ich wieder vor dem Block. Inzwischen hatte mir Martin seine Beta erklärt, bei der er das Problem ziemlich frontal angeht. In den ersten Versuchen fühlte es sich nicht so gut an, aber plötzlich verstand ich den Trick und der Zug fühlte sich machbar an. Mittlerweile hatten wir jedoch alle schon so viel probiert, dass mich die Startgriffe bei meinem Plan nicht unterstützen wollten. Einige Male rutschte ich während dem Zug ab. Als ich schon beinahe aufgeben wollte, kriegte ich im letzten Versuch unerwartet den Griff zu fassen und konnte mich auffangen (Bild unten). Ich freute mich sehr. Schon länger hatte ich keinen Einzelzug geschafft, bei dem so oft geübt hatte und so viele Male die Lösung ändern musste. Danke vielmals an Dave, Flave, Jeannine und Peter für den super Tag!

Samstag, 20. Juni 2015

Calanca - Selma


Zusammen mit Giani wollte ich in den Magic Wood. Als wir ankamen, nieselte es und so beschlossen wir, ins Val Calanca weiterzufahren. Mitten am Nachmittag erreichten wir den grossen Block an der Strasse, wo ich schon im Winter einmal war. Zufälligerweise trafen wir Ursin und einen Kollegen. Sie gaben uns gleich eine gute Flash-Beta für Rocky Racoon und so konnten wir den Tag mit diesem schönen, wenn auch leicht definierten Klassiker starten.

Da es an der Sonne sehr warm war, wechselten wir in den schattigeren Selma-Sektor unten am Fluss. Mittlerweile war auch noch Tobi aufgetaucht und er zeigte mir die zahlreichen Bijoux des Gebiets wie Salto nel Buio und Scià na Guinness, die mir gleich auf Anhieb gelangen. Im Faceclimb Scent of Mushroom fanden wir die geschmeidige Lösung erst nach einigen Anläufen und auch der Überhang von Grotte de l'Ours warf mich zu Beginn ab.

Beim Lowball Aperoman beschränkt sich die Schwierigkeit nur auf zwei Züge, wobei beim ersten Grösse hilft. Nachdem ich die Lösung beisammen hatte, wollte ich die Linie für kühlere Temperaturen  und die Haut für den morgigen Tag aufsparen. Die Kollegen überredeten mich jedoch für einen letzten Versuch und die schmierigen Finger hielten diesmal auf dem abschüssigen Aufleger.

In der Zwischenzeit waren die meisten Leute schon wieder nach Hause gefahren. Giani und ich waren alleine im Gebiet und wollten uns einige von Tobi's Empfehlungen anschauen. Crapon da Merlot, ein Blockierzug am Rand eines Überhangs, kletterten wir im Eindunkeln. Die wahre Linie hier heisst jedoch Umbrella Roof (Bild oben). Mein Ziel war es auch dieses Problem gleich im ersten Versuch zu lösen, doch ich rutschte unkonzentriert an der Dachkante ab. So durfte ich diesen Traumboulder ein zweites Mal klettern. Die Dämmerung wich langsam der Nacht und wir machten uns auf den Heimweg, nachdem wir uns einige Projekte fürs nächste Mal angeschaut hatten.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Alpine Season: Rêve de Faire


Riesig hatte ich mich auf die Susten-Saison gefreut! Eines meiner Ziele, Martin's Keinschneehäschen, musste ich leider aufgrund von Knieschmerzen beim Hook schnell aufgeben. Abgesehen von meinem Handicap mit dem linken Knie fühlte ich mich fit und konnte Boulder wie Madrugada und Red Snapper, die mir letzte Saison noch einige Versuche abverlangten, auf Anhieb wiederholen.



Fred Nicole's Klassiker Rêve de Faire motivierte mich zu Beginn weniger. Die lange Rechtstraverse bietet keine sehr schwierigen Einzelzüge, ist aber pumpig und in meinen Augen schon fast eine Route. Nachdem ich mit einer guten Beta von Aldo Pitbull begehen konnte, blieben Luki und ich noch länger am Pass oben. Irgendwann fand ich, dass ich zum Ausklettern die Traverse von Rêve de Faire einüben könnte. Luki bestand darauf, dass ich gleich vom Start her probieren solle. Erwartungslos startete ich und wegen vielen langsamen Trittwechseln kam ich nur langsam voran. Die Reibung war ausserordentlich gut. Es war mittlerweile schon elf Uhr nachts und ziemlich kühl. Überrascht merkte ich, dass ich problemlos alle schwierigen Stellen hinter mich gebracht hatte. Ich merkte, wie die Finger langsam kalt und gefühlslos wurden. Am Rastpunkt beim Pitbull wusste ich, dass es knapp wird. Ich spürte nichts mehr und die kaltgepumpten Unterarme waren nicht mehr fähig die Finger zu beugen. Am nächsten Griff blieb ich lustigerweise trotzdem hängen. Ich setzte den Hook, erwischte die Kante und wollte zum erlösenden Henkel weitergreifen. Wie in Zeitlupe fiel ich. Ich wusste nicht, ob ich mich aufregen oder freuen sollte. Unerwartet war ich weit gekommen aber auch so knapp wie nur möglich gescheitert...

Nach zwanzig Minuten Pause floss das Blut in den Unterarmen wieder ruhig und gleichmässig. Ich setzte zum nächsten Versuch an. Diesmal war ich viel schneller, aber auch weniger präzis und schon in Traumland rutschten die Füsse ein erstes Mal von den Tritten. Beim Rastpunkt fühlte ich mich gut, aber beim allerletzten Schnapper an den Henkel musste ich nochmals alles geben. Diesmal klappte es und ich freute mich über den gelungenen Durchstieg.


An einem anderen Abend konnte ich zusammen mit Luki Kill Your Idols klettern. Nach dem Start an einer guten Incut-Leiste gibt es viele gute offene Griffe und Zangen, die verschiedene Lösungen zulassen. Gegen einen Durchstieg von My Axis wehrte sich das Knie leider mit starkem Schmerz, hoffentlich geht das nächste Saison! 


Samstag, 13. Juni 2015

Alpine Season: Steingletscher


Zusammen mit Manu wollte ich mir die neuen Linien am Steingletscher anschauen. Um den Zustieg nicht zu extrem zu gestalten, wählten wir den Ausdauerboulder Langer Augustiner Hoselupf, der direkt neben dem Parkplatz liegt. Die grossen, leicht abschüssigen Griffe liegen angenehm in der Hand und die zahlreichen Züge fordern die Unterarme. Der erste Teil ist leider nur knapp über Boden, doch trotzdem sind die kreativ zu lösenden Züge sehr lohnenswert.

Das Shithouse Problem ist ein weiteres sehr schönes Boulderproblem am Steingletscher. Der Sitzstart erfolgt an einem guten Band, mit einem weiten Blockierzug gelangt man zu einer kleinen, aber positiven Leiste. Hier gilt es "blind" einen Toehook zu ertasten und über die immer besser werdenden Griffe auszusteigen. Der einzige Negativpunkt ist, dass manche Leute den Platz für andere Tätigkeiten brauchen, welche die frische Bergluft nicht gerade aufwerten.

Früchte des Zorns ist der Steingletscherklassiker schlechthin. Letztes Jahr war ich noch zu schwach, um die fehlende Beinarbeit aufgrund meiner Knieverletzung zu kompensieren. Dieses Jahr gelang es gleich auf Anhieb und kurze Zeit später holte sich Manu auch eine Begehung, während ein Gewitter mit Platzregen über die Berge zog.